Ökonomen streiten über Verteilungsfrage
Seite 736 von 7962 Neuester Beitrag: 29.08.25 18:55 | ||||
Eröffnet am: | 04.11.12 14:16 | von: permanent | Anzahl Beiträge: | 200.035 |
Neuester Beitrag: | 29.08.25 18:55 | von: Katzenpirat | Leser gesamt: | 42.212.054 |
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schau nur weiter Deine Glotze. Hinterher kommt bestimmt noch die Tagesschau, so wie damals, als noch alles in Ordnung war.
Vermutlich wird Russland nach dieser Show morgen ganz Europa den Krieg erklären.
genossen und bist der " Rentenregierung" dankbar. Die Zeit welche Du genossen hast kommt nicht wieder. Hast Du Kinder ?
Da hätte man gut daran getan, die dumpfe Nicole noch mal lispeln zu lassen:
Übrigens: Alles Gute zum Mutti-Tag!
Nein. Der Maidan war eine Bewegung von unten, die sich durch die Ausbeutung der alten Janukowitsch-Oligarchenclique betrogen fühlte. Auf diese Protestwelle sattelte der Rechte Sektor auf, der von einer rivalisierenden Oligarchenclique und vom CIA finanziert wird. Dies rivalisierenden Oligarchen unterscheiden sich hinsichtlich Ausbeutung und Betrug aber nicht von ihren Vorgängern. Der wesentliche Unterschied ist ihr Bekenntnis zum Westen. Dies geschieht allerdings nicht aufgrund ernsthafter politischer Präferenzen, sondern um Subventions-Milliarden (IWF, EU) abzugreifen, die gegen politische West-Vasallentreue und Willfährigkeit "eingetauscht" werden.
Für die Bevölkerung wurde mit der aktuellen Fascho-Regierung der Teufel mit Beelzebub ausgetrieben. Der Ostkurs unter Putin beinhaltete zumindest noch einen Rest "partriarchalischer" Fürsoge, der aus der ex-sozialistischen Vergangenheit Russlands resultiert. Unter den neuen Westkurs-Oligarchen dürfte die Ausbeutung der ukrainischen Bevölkerung eher noch schamloser ausfallen. Es wird Massenarbeitslosigkeit und Niedriglöhne geben. Als "Freiheitsgewinn" stehen iPhones in den Schaufenstern, die sich die Leute nicht leisten können.
Die "ex-sozialistische Fürsorge" Russland kommt jetzt z. B. auch den Krim-Bewohnern zugute. Putin hat vielen Krim-Tartaren, die mit dem Russland-Anschluss nicht einverstanden waren, Staatsjobs gegeben, die höchstwahrscheinlich - unter kapitalistischen Kosten/Nutzen-Erwägungen - entbehrlich gewesen wären. Sie werden letztlich aus Russlands Erd- und Öl-Exporteinnahmen finanziert und sind eine gehobene Form der Sozialhilfe. (Ähnlich wurden in Griechenland Staatsstellen aus Neuemissionen von Staatsanleihen finanziert, bis das Schuldenhaus zusammenbrach).
An Unterschieden zwischen demokratischem Kap. und autoritären Kap. ist geblieben, dass die Ost-Industrie und die Ostbanken weitgehend in Staatsbesitz geblieben sind. Die Oligarchen (Ex-Funktionäre) rauben ihre Milliarden aus dem Cash-Flow, sind aber nicht Eigentümer (wie im Westen). Auch übernimmt Russland für die Staatsangestellten mehr soziale Verantwortung als etwa USA. Es gibt in Russland keine Massenarbeitslosigkeit. Das geht zwar auf Kosten der Effizienz, ist aber menschlicher, als Millionen Arbeitslose ihrem Schicksal zu überlassen und aus der Gesellschaft auszugrenzen.
Der russische Sozial-Staat ist - im Gegensatz etwa zum griechischen - langfristig existenzfähig, weil Russland sehr reich an Rohstoffen ist. Es hat damit eine Sonderstellung ähnlich wie Australien oder die Petrodollarstaaten. In Abu Dhabi ist jeder Einwohner kostenlos krankenversichert, weil die Ölexporte dies möglich machen.
http://deu.fesmos.ru/publications/russland/russland_20.html
PDF: http://www.fesmos.ru/netcat_files/194/99/...024e7a7b42d1488c5b4e3a409
Ist ein Sozialstaat nur mit einem liberalen Marktmodell möglich? Viele der Ratschläge, die Schwellenländer gegeben werden, basieren auf der Annahme eines Automatismus von wirtschaftlicher Entwicklung und der Herstellung von sozialer Gerechtigkeit. Russlands Erfahrungen mit der Systemtransformation stellen dieses Konzept in Frage, wie der Autor dieser Analyse konstatiert. Er greift damit eine Debatte auf, die nach den neuerlichen Erschütterungen an den Weltfinanzmärkten auch in den entwickelten Staaten wieder verstärkt geführt wird. Für die Antwort auf die Frage, ob die heutigen Wirtschaftsmodelle noch soziale Gerechtigkeit ermöglichen, können die russischen Erfahrungen hilfreich sein.
........Im sowjetischen Sozialfürsorgesystem kann vieles bemängelt werden, besonders
zerstörerisch war die Umsetzung des Prinzips "Gerechtigkeit ohne Freiheit". Nicht zu
leugnen ist aber die Tatsache, dass gerade in der Sowjetunion ein mehr oder weniger
ganzheitlicher Sozialstaat aufgebaut wurde, obwohl seine materielle Grundlage eindeutig unzureichend war. Diese Tatsache verdient auch deshalb eine besondere Aufmerksamkeit, weil im Endeffekt gerade die sozialen Umgestaltungen in der UdSSR zu Veränderung der Sozialpolitik in den Staaten des Westens führten. Viele dieser Länder, die scheinbar viel weiter beim Aufbau der Demokratie und Zivilgesellschaft waren, sahen sich in der Folge gezwungen, ihre Aufmerksamkeit verstärkt den sozialen Problemen zu widmen....
Autor: Prof. Ruslan Grinberg ist Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften und Direktor am dortigen Institut für Wirtschaft. In seinen zahlreichen Publikationen beschäftigt er sich vorrangig mit den wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen der Transformation in Russland und zeigt mögliche Reformen der aktuellen Sozialpolitik auf.
System des Sozialschutzes, bei der Sozialversicherung der Arbeiter, bei der Gestaltung
der Freizeit und Erholung. Es entstand ein wahrhaft gigantisches System von Sanatorien, Erholungsheimen, prophylaktischen Betriebssanatorien, Kinderferienlagern
und dergleichen mehr, wo die Erholung teilweise oder vollständig vom Staat bezahlt wurde. Übrigens betrug die Dauer des bezahlten Jahresurlaubs in der Sowjetunion – zum Unterschied von vielen modernen Ländern – in der Regel mindestens vier Wochen. Die Versorgung der Bevölkerung mit Polikliniken, Kindertagesstätten, Bibliotheken, Stadien und Sanatorien entsprach in der UdSSR dem Niveau der entwickelten Länder des Westens beziehungsweise übertraf dieses teilweise sogar. Die Kindersterblichkeit war mit die niedrigste in der Welt, die durchschnittliche Lebenserwartung erreichte 70 Jahre.
Es mag erstaunlich wirken, aber dies alles geschah in einem Land, wo es weder
Marktwirtschaft noch demokratische Freiheiten gab. Der Sozialstaat UdSSR stützte
sich nicht auf eine entwickelte materielle Grundlage der Gesellschaft, sondern vor
allem auf die marxistische Ideologie; der Staat war Begründer, Gestalter und Garant
der Sozialpolitik jener Epoche. Das wirkt auch heute noch als Abweichung von der historischen Logik, welche die Entstehung des Sozialstaates für gewöhnlich mit
dem allmählichen Anstieg des gesellschaftlichen Wohlstandes in Ländern mit
einer festen Staatsbasis und stabilen demokratischen Traditionen verbindet. Dieses
Szenario der evolutionären Entstehung und Entwicklung des Sozialstaates setzte sich schon in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in Europa durch. Die Krisensituationen im Westen der 70er und 80er Jahre brachten jedoch Vorstellungen von einem ausufernden Sozialstaat in der entwickelten Welt hervor. Das Konzept des Sozialstaates an sich erlebte eine Krise, einige Experten sprachen sogar von einer Sackgasse. Früher hatte man damit gerechnet, dass das Wirtschaftswachstum zu höheren Einnahmen und Gewinnen und demzufolge auch zu einem höheren Steueraufkommen führe, was die Lösung der sozialen Probleme ermögliche, ohne gleichzeitig das Wirtschaftswachstum zu
bremsen. Verlangsamt sich aber das Wirtschaftswachstum, brauche man zusätzliche
Maßnahmen, um die Sozialausgaben nicht kürzen zu müssen. An dieser Stelle
gehen die Meinungen der Ökonomen auseinander.
Die Liberalen meinen, man solle den Vermögenden helfen und Anreize für
Investitionen und Produktionssteigerung schaffen. Dafür solle man die Steuern
senken, was gleichzeitig jedoch die Basis für die Sozialausgaben verringert. Um sich
nicht mit der Lösung dieses Widerspruchs abzuplagen, bieten die Liberalen folgendes
Konzept an: Eine effektive Marktwirtschaft löse automatisch auch die sozialen Fragen, deshalb benötige der Staat den Zusatz "Sozial" überhaupt nicht.
Dieses Konzept kommt immer noch nicht aus der Mode, das Problem des Sozialstaates
bleibt jedoch nach wie vor ungelöst. Das Fiasko des liberalen Wirtschaftsexperiments
im Russland der 90er Jahre hat dies ein weiteres Mal belegt. Die liberalen Reformer waren der Meinung, der Übergang zur Marktwirtschaft und zum demokratischen Rechtsstaat werde automatisch zum erforderlichen ökonomischen und demzufolge auch sozialen Ergebnis führen (hat Piketty gerade widerlegt! A.L.). Das reale Leben hat aber erneut gezeigt: In der Wirtschaft funktioniert nichts "automatisch", alles geschieht nach einer Einmischung des Menschen (sprich des Staates), die wohl oder schlecht durchdacht sein kann und letztendlich das Resultat der Mühen prädestiniert. Was aber die sozialen Probleme betrifft, glaubte man, dass die Marktwirtschaft ohne jegliche zusätzliche Bemühungen das sowjetische Niveau der Sozialleistungen aufrechterhalten würde.
Das war aber nicht möglich: Der Staatshaushalt schrumpfte jäh zusammen, die staatliche Verwaltungsdisziplin ging verloren, die Produktion ging um fast 50% zurück, deshalb scheiterte auch der Versuch, das westlich-liberale Modell der Sozialpolitik, wie es die Reformer verstanden, im Lande einzuführen.
Die positiven Ergebnisse der 20jährigen "russischen Transformation" darf man hierbei natürlich nicht ausblenden. Die Abschottung des Landes von der Außenwelt wurde vollends überwunden, die Mechanismen der Kommandowirtschaft und des Außenhandelsmonopols wurden abgebaut. Als Folge verschwand der erniedrigende Mangel an Waren und Dienstleistungen, das Angebot erweiterte sich bedeutend. Mit der Einstellung des ideologischen Kampfes gegen den "kleinbürgerlichen Materialismus" erlangten die Menschen wieder das Recht auf "Gemütlichkeit". Die Privatinitiative wurde entfesselt, der Mittelstand, der die Basis des Wohlstandes bilden soll, ist im Entstehen. Vielen Vorhersagen zum Trotz eigneten sich die russischen Bürger schnell die marktwirtschaftlichen Denk- und Verhaltensweisen an. Die Gleichmacherei in der Arbeitsvergütung, die für die Sowjetepoche typisch war, wurde beseitigt. In der Arbeitsdisziplin und –ethik sind spürbare Fortschritte zu beobachten. Geldverdienen hat wieder einen Sinn bekommen, weil man dafür jetzt problemlos Waren und Dienstleistungen kaufen kann, die früher nicht zugänglich waren. Nach 70 Jahren Planwirtschaft hat man im Lande die funktionierenden Institutionen der Marktwirtschaft geschaffen: Geschäftsbanken, Waren-, Wertpapier- und Devisenbörsen, ein qualitativ neues Steuersystem, die Regeln der Kartellregulierung und so weiter.
Und dennoch sind die negativen Ergebnisse der marktwirtschaftlichen Umgestaltung offensichtlicher und gewichtiger. Sie überwiegen die Erfolge. Dabei kommt es nicht nur darauf an, dass das Land in den Reformjahren die Hälfte seines Wirtschaftspotentials verloren hat. Viel schlimmer ist die Tatsache, dass es Russland immer noch nicht gelingt, die Prozesse der Vereinfachung der Produktion, der Deintellektualisierung der Arbeit und des Verfalls des Sozialbereichs zu stoppen. Zu erwähnen ist an dieser Stelle auch die Massenarmut, die in den Jahren der radikalen Reformen schnell um sich griff, weil
die sowjetische Mittelklasse, auch wenn sie nach westlichen Kriterien eher bescheiden
gelebt hatte, immer mehr verarmte.
In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts entfernte sich Russland von
den angestrebten sozialökonomischen Standards der euroatlantischen Nationen
und näherte sich den Durchschnittszahlen der typischen Länder der sogenannten
Dritten Welt, mit ihrer riesigen Einkommensschere, an. Verschiedene Berechnungen
und Untersuchungen der russischen Haushalte zeigen, dass nur höchstens
ein Viertel der Landesbevölkerung die realen Früchte der durchgeführten Reformen
genießt, während die Hälfte der Russen einen harten Überlebenskampf führen
muss. Der außerordentlich hohe soziale Preis der Reformen war einer der Gründe
dafür, dass solche Begriffe wie Demokratie, Marktwirtschaft und Freiheit im russischen
gesellschaftlichen Bewusstsein zu einem großen Teil entwertet wurden....
Die neu aufgestellte Nationalgarde steht unter dem Befehl von Aktivisten des Rechten Sektors und vom Swoboda. Mitglied kann man nur mit strammer antirussischer Glaubensrichtung werden. Russisch wird nicht gesprochen. Aus den Minderheiten wird grundsätzlich keiner aufgenommen. Da die Nationalgarde erst in den Anfangsschuhen steckte, hat man zusätzlich bewaffnete Einheiten des Rechten Sektors in den Osten geschafft. Diese Einheiten haben nicht mal den Hauch einer staatlichen Legitimität, werden aber auch vom CIA im Sinne des Wortes durchgefüttert. Wieso sehen hier manche den bewaffneten Rechten Sektor als staatliche Institution an und wagen den Begriff "Recht" noch in den Mund zu nehmen? Inzwischen säubert man auch Einheiten der regulären Armee um im Osten wirken zu können. Aber Faschisten gibt es angeblich keine.
Einer der einfach darüber hinweg sieht und immer nur die Leier mit dem bösen Putin auflegt und unterstellt, die Bevölkerung im Osten wäre hocherfreut von faschistischen Truppen niedergemacht zu werden und wollte keine Autonomie, ist ein geistig armer Wicht der keinen Ausgang aus seinem Propagandageschwafel mehr findet. Viele menschliche Katastrophen sind durch derartige Wichte erst möglich geworden. Aber sie meinen sie wären "modern ", auf der "Höhe der Globalisierung" und stünden auf der "richtigen Seite". Dabei sie sie es, die hier erst die Seiten künstlich erschaffen haben.
Es ist ein Verhalten wie es die Preußen (nicht nur die) im 19. und 20. Jahrhundert an den Tag legten. Und die Kopfbedeckung dieser "friedliebenden Spezies" sollte allgemein bekannt sein.
Allerdings waren es nie die Gewerkschaften alleine, die für Gerechtigkeit gesorgt haben. Ansonsten dürfte es die Verhältnisse, die es in der Schweiz gibt, nicht geben. Gewerkschaften spielen praktische keine Rolle und die soziale Absicherung nimmt einen Spitzenstellung ein. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass durch eine Überangebot an Arbeitskräften (Produktivitätsfortschritt, Globalisierung, Zusammenbruch des Ostblocks) Arbeitnehmerrechte stark zurück gedrängt wurden und die Aufteilung der Gesellschaft immer stärker wird. Dabei verläuft sie nicht nur zwischen "Kapitalisten" und "Arbeitnehmer" sondern auch zwischen den gut qualifizierten Arbeitnehmern aus der Industrie und denjenigen aus dem Dienstleistungssektor und anderen Bereichen. Alte Muster passen eben nicht mehr und deshalb braucht es auch andere Lösungsansätze. Und es brauch auch nicht den "Kommunismus" aus der früheren Sowjetunion, der nur ein riesiges Elend über die Menschheit gebracht hat. Auch die Ukraine ist ein Produkt dieser Entwicklung. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Westen sich so blöd und unmenschlich anstellen muss wie er es tut. Dass früher in Moskau Stalin und Konsorten herrschten entschuldigt das nicht, auch nicht dass Putin mit Menschenrechten und Demokratie nichts am Hut hat.
Hier zB eine Fake-Schlange scheinbarer Normalbürger vor einem Fake-Wahlbüro:
http://www.ariva.de/forum/...ilungsfrage-472111?page=732#jumppos18315will ich gar nicht näher bestimmen... einfach ekelhaft. Meine nicht von dir erfundene Meinung schreibe ich schon lieber selber, z.B. hier.
Du kannst hier zwar monatelang als Radio Moskau gegen den Westen, USA, EU, Bundesregierung hetzen. Aber wie willst du denn ein Vertreter von Menschenrechten und Demokratie sein? Vergiss es.
Du machst die billige Alternative "System Putin oder Faschismus" auf.
Ich nicht.
(Fortsetzung von # 387/388)
...Trotzdem empfehlen zahlreiche westliche Berater nach wie vor den Schwellenländern,
darunter auch dem heutigen Russland, ein Entwicklungsmodell, das eine Sozialschwäche des Staates vorprogrammiert.
Würde Russland diesem Modell folgen, würde es alle Chancen verlieren, sich der Gemeinschaft der sozial gutsituierten Länder anzuschließen. Das klingt wirklich nach einem Paradox: Die Ratschläge zur Erhöhung der Qualität des Wirtschaftssystems vergrößern nur den Umfang der einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen. Oder mit anderen Worten, die Empfehlungen, die der Gesundung der Gesellschaft dienen sollen,
verschlimmern nur ihre Gebrechen.
Der Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahre gab Grund zur Hoffnung, dass beim
Aufbau eines modernen Sozialstaates in Russland neue konstruktive Schritte unternommen werden. Bis jetzt blieben sie aus. Der BIP-Anstieg und die Erhöhung
des Durchschnittseinkommens der Bevölkerung geschehen vor dem Hintergrund
einer immer stärkeren Differenzierung der russischen Gesellschaft, einer Krise des
Rentensystems und anderer sozialer Projekte. Die Inflation verschlingt die Lohn- und
Rentenerhöhungen. Auch die Hoffnungen auf einen Strukturwandel und einen
Ausbau der Hightech-Produktion erfüllen sich noch nicht.
Es wäre am leichtesten, die gegenwärtigen Misserfolge beim Aufbau eines demokratischen Sozialstaates dem "autoritären" Putin-Regime anzulasten. So einfach ist es allerdings nicht. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Russlands unterstützt die Politik der jetzigen russischen Führung. Die Mittelklasse macht in Russland nur 20% der Bevölkerung aus – das ist zwar nicht viel, in den 90er Jahren waren es aber nur 5%. Die Dynamik ist hier also positiv...
Die Fehlschläge und Misserfolge der letzten Jahrzehnte im Sozialbereich dürfen die wichtigste und interessanteste Beobachtung nicht verdecken, die manch einem paradox scheinen mag. Die russischen bzw. sowjetischen Erfahrungen bei der Gestaltung des Sozialstaates und der Gesellschaft lassen ein erstaunliches Phänomen erkennen: Dieser Prozess verlief hier immer anders als im übrigen Europa.
Schon im 19. Jahrhundert, wo die russischen Gesellschaft jeglicher demokratische
Grundlage entbehrte, zeitigten sich beachtliche Erfolge in der Sozialpolitik. Im 20. Jahrhundert wurde in der UdSSR etwas geschaffen, was einem Sozialstaat ähnelte, und dies trotz fehlender Marktwirtschaft und Demokratie. Als aber marktwirtschaftliche Grundsätze nach Russland zurückkehrten und Versuche unternommen wurden die russische Gesellschaft zu demokratisieren, bekamen wir einen asozialen Staat.
Dieses überraschende Phänomen könnte man gewiss als Ergebnis einer zufälligen Verknüpfung verschiedener historischer Umstände interpretieren, man könnte daraus aber auch nützliche Denkanstöße ableiten. Man sollte zum Beispiel noch einmal die allgemein übliche Einstellung zu den sozialen Funktionen des Staates analysieren: Was stellen diese dar – ein erzwungenes Zugeständnis der Marktwirtschaft und der Wirtschaft an die Gesellschaft oder ein nicht wegzudenkender Teil einer allgemeinen, besonnenen
Wirtschaftspolitik des Staates?
Wie dem aber auch sei, befindet sich Russland immer noch in der schwierigen
Etappe der Systemtransformation. Und nach allem zu urteilen, wird der Übergang
weder morgen noch übermorgen seinen Abschluss finden. Es handelt sich ja um
einen Übergang zu einer "Normalität", die Russland noch nicht gekannt hat. Nichtsdestoweniger hat das Land – trotz aller Verzögerungen und sogar Rückschläge –
immer noch Chancen, eine Zivilgesellschaft, eine pluralistische Demokratie und
eine soziale Marktwirtschaft aufzubauen.
Meinst du exakt die Massenarbeitslosigkeit wie sie in China und anderen Schwellenländern herrscht, die sich dem Westkurs verschrieben haben?
Selbst dem allerärmsten Griechen geht es noch besser als einem wohlhabenden Ukrainer unter der alten Regierung - genau das sehen die Leute, es geht nicht um an eine Angleichung an deutsche Einkommen, sondern eine realistische Perspektive. Polen ist hier das Vorbild für die Ukraine.
Der Verweis auf Iphones ist Humbug. Ich kann/will mit die Dinger auch nicht leisten wie auch sonstige Verheißungen des Luxus. Und ist bin sicher, dem Ukrainer ist der" Freiheitsgewinn", kein Iphone kaufen zu können, immer noch lieber als der "Freiheitsgewinn" unter Putin - da gibt es nämlich überhaupt keine Perspektive aus dem Elend rauszukommen.
Vor Jahren erzählte mir mal eine polnische Konmillitonin: "Ich versteh nicht warum die Studenten hier in Deutschland so jammern, weil sie sich kein Auto leisten können. Bei uns in Polen hungern die Studenten und können sich keinen Pullover leisten." Ebenso geht es AL und der Threadboheme: Man will den Ukrainern die annehmlichkeiten verweigern, die man in Deutschland selbstverständlich in Anspruch nimmt. Weil man in der Postmoderne erkannt hat, dass damit neue Zwänge verbunden sind und nicht jeder sich einen Benz leisten kann. Das ist einem unbenommen, aber man sollte den Ukrainern die Chance geben, das selbst herauszufinden und ihren eigenen Weg zu finden. Wenn sie unbedingt in den Westen wollen so sollten wir sie dabei nach Kräften unterstützen. Es werden beide Seiten profitieren.