Euro-Zone ist Katastrophen-Zone
Seite 21 von 69 Neuester Beitrag: 25.01.22 15:07 | ||||
Eröffnet am: | 10.07.11 19:04 | von: Rubensrembr. | Anzahl Beiträge: | 2.701 |
Neuester Beitrag: | 25.01.22 15:07 | von: DarkKnight | Leser gesamt: | 117.590 |
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Die meisten Ökonomen hatten trotz der drohenden Rezession und der Staatsschuldenkrise zunächst keine Zinssenkung erwartet. Denn die Inflation im Euro-Raum liegt weit über dem Zielwert der Währungshüter von knapp unter zwei Prozent. Das spricht eher für höhere Zinsen. (#500)
Die Entscheidung fiel Draghi zufolge einstimmig. (Spiegel)
Das bedeutet, dass auch Jens Weidmann (Präsident der Bundesbank) dafür gestimmt haben muss. Und das zeigt mir, dass er inzwischen eine Taube ist. Habe ihn im Fernsehen auch viel mit Schäuble zusammen gesehen in letzter Zeit.
Die Entscheidung die Zinsen jetzt zu senken wäre mMn nur gerechtfertigt, wenn die EZB einen granatenmäßigen Konjunkturabsturz kurz bevorstehen sieht, der die Inflationsrate bald auf unter 1% drücken wird. Zwar gehe ich von einer kommenden Rezession aus, aber ich meine nicht, dass diese sich an der Inflationsentwicklung derart stark ablesen werden lässt, dass momentan eine Zinssenkung zu rechtfertigen wäre.
Daher sehe ich in Draghis Entscheidung einen Versuch insbesondere die Staatsverschuldung zu verbilligen. Die Tagesschau hat es heute sogar so formuliert, dass die EZB vom Hauptziel der Preisstabilität abrückt (welches ja vertraglich festgelegt ist). Und natürlich verspielt Draghi gleich bei der ersten Sitzung seine Glaubwürdigkeit, indem er diesen Satz bezüglich eines Griechenland-Ausschlusses tut:
Das steht nicht im Vertrag. Wir sind an den Vertrag gebunden. Wir können uns keine Situationen vorstellen, die im Vertrag nicht vorgesehen sind. (s.o.)
Dreister geht's nimmer! Aus meiner Sicht ist Draghi damit ein weiterer €-Lügner, der Verträge bricht und vorschützt, wie es ihm gerade in den Kram passt. Passend begegnet einem in seiner Zinssekung die US-Ideologie der Strohfeuer-Konjunktur aus der Notenpresse:
Doch für die EZB steht angesichts der Schuldenkrise in der Euro-Zone offenbar im Mittelpunkt, einem Absturz der Wirtschaft entgegenzuwirken. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite. Das erhöht die Investitionsneigung von Unternehmen und die Konsumfreude der Verbraucher - und kann so die Konjunktur ankurbeln.
Staatsanleihenaufkäufe (Nutznießer) und Leitzinssenkungen bei sich eintrübender Konjunktur, das ist der Stoff aus dem die Stagflation gemacht wird. Statt einer wirtschaftlichen Ankurbelung ist mMn zu erwarten, dass die angefachte Inflation die Situation bei Erwerbslosen und Geringverdienern stärker verschlechtern wird als demgegenüber eine konjunkturelle Belebung stattfindet. Die staatlichen Sozialausgaben werden jedoch besonders stark vom Rotstift betroffen sein, sodass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergehen dürfte.
Kurz noch ein Seitenhieb auf Merkels Zig-Zack-Kurs: Erst hatte sie gesagt, dass es möglichen sein müsse Länder wie Griechenland aus der Eurozone auszuschließen (Quelle), dann dass kein Land fallen gelassen wird, und nun sagt sie wieder, dass es möglich ist dass Griechenland die Eurozone verlässt. Was für ein Witz von einer Führungsperson.
Das Thema dieses Threads ist während der letzten 500 Postings immer aktueller geworden, auch wenn sich zahllose dreinquatschende Gesundbeter immer wieder gedrängt fühlten uns ihre politische Naivität vor Augen zu führen. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass es dem Euro heute schlechter geht denn je. Der "Euro-Zone ist Katastrophen-Zone"-Thread ist eine Erfolgsgeschichte! Danke Rubens.
Normalerweise tendierten die Anleger dazu, sich in Krisen in sichere Häfen zu flüchten, sagt Gary Jenkins von Evolution Securities. Anleihen, die von Staaten wie Deutschland mit Spitzenrating stammen oder zumindest garantiert werden, gehören dazu - bislang jedenfalls. „Dass ein Fonds, der eine Schlagkraft von einer Billion Euro erhalten soll, sich nicht einmal drei Milliarden Euro leihen kann, ist besorgniserregend“, meint ein anderer großer Investor. (WELT)
Das hatten Ruben (#430) und ich (#419) hier schon prognostiziert. Man muss als Investor meschugge sein wenn man sich auf so ein Geschäft einlässt, denn die Frage bleibt, wie viel die Bürgschaften im Falle des Zahlungsausfalls des Schuldners überhaupt wert sind. Da die Eurozone dann zusammenbricht und einige Bürgen sich weigern werden den Verpflichtungen aus der EFSF nachzukommen, ist so eine Bürgschaft nur ein Lippenbekenntnis. Entsprechend freimütig wird es auch von vielen Ländern (Ausnahme war Deutschland) abgegeben.
Darüber hinaus ist der Hebel einiges zu groß. Mindestens die oberen 70% des Risikos müsste der Bürge schützen um realistisch zu sein, was aber den Gesamteinsatz nicht in die Höhe einer Billion befördert. Die Billionen-Idee ist kompletter Größenwahn.
Aus diesen Gründen kann ein "Rettungsschirm" für Italien gar nicht errichtet werden, jedenfalls nicht ohne Hyperinflation (Draghi arbeitet ja bereits daran).
Nachdem das Bundesverfassungsgericht entschieden hatte, dass das Haushaltsrecht des Bundestags nicht auf die Regierung übertragen werden kann, hatte die Regierung den Trick ausprobiert, einen Bundestag light zu errichten: Ein kleines, handverlesenes, geheim tagendes Grüppchen von neun Abgeordneten sollte stellvertretend für den gesamten Bundestag dessen Rechte bezüglich der EFSF wahrnehmen (siehe auch #419 im dritten Absatz). Unsere Parlamentarier sind ja leider mehrheitlich immer noch so blöd und stimmen jedem Ermächtigungsgesetz sofort zu, sodass es am Bundesverfassungsgericht war diese Aushöhlung der Demokratie zu stoppen.
Bei neun Abgeordneten stellen fünf die Mehrheit. Die Bundesregierung hatte also die Zustimmungshürde des Bundestags von 311 Stimmen auf nur fünf verringert. Dort kann man nachlesen welche Abgeordnete (2x CDU, 2x FDP, 1x CSU). Ich nehme an, dass es sich um Abgeordnete handelt bei denen die jeweilige Fraktion davon ausgeht, dass sie jeden Befehl ungefragt ausführen.
http://youtu.be/SqBw7XapJKk
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,796317,00.html
Erfahrungen: Im Vorfeld der italienischen Staatsanleihenkäufe hatten wir auch solche Lippenbekenntnisse, die der Markt zu Recht nicht glaubt (siehe #133, erster Absatz). Gestern kam in der Tagesschau, dass auch die Euro-Finanzminister Italiens Vorsätzen nicht mehr trauen. Frankreich ist mMn kaum glaubwürdiger. In beiden Fällen ist nicht sicher, wer überhaupt 2013 regiert. Die Sozialisten in Frankreich halten meines Wissens nichts vom Sparen und sind gegen eine Schuldenbremse in der Verfassung (die aber bei Bürgschaften sowieso nicht greift).
Politiker wollen Geld ausgeben, denn nur das verstehen sie unter "politischer Gestaltung"
Wir haben einfach zu wenig Spiel-Geld für die (zu) vielen Politiker. Deshalb machen sie ja noch gerne zusätzlich ein paar Schulden.
(Besonders gerne immer für "Bildung", das klingt immer so unangreifbar politically correct...)
Aber jetzt wollen sie ja schon wieder dauerhafte neue Ausgaben beschließen - die auch noch völlig unsinnig sind: das Betreuungsgeld.
Ein Schmarrn hoch zehn!
Dafür nimmt sie einfach weitere Kredite auf, so daß sich trotz Niedrigzinsen die Zinslast im Haushalt von 1,2 mio auf 1,6 mio € p.a. erhöht... das Geld ist ja da, man braucht es sich doch nur zu leihen...
DAS konnte mir noch niemand erklären.
in einem Atemzug nennen, wenn es darum geht, was, außer Kriegen, am effektivsten Elend von Süden nach Norden brachte.
Man geht allerdings im Euroraum einen anderen Weg als im angelsächsichen Raum; dort werden die Schulden durch Anleihekäufe der Zentralbanken (sprich Gelddrucken) monetarisiert.
Im Euroraum wird (bisher und hoffentlich auch weiterhin) nicht versucht die Staatsschulden zu monetarisieren; die in Relation zur FED und BOE relativ niedrigen Anleihekäufe der EZB werden bisher durch Offenmarktgeschäfte neutralisiert s. z.B. hier: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/...eplant-Mrd-EUR.html
Kommen wir jetzt zu Wärna:
Niemand muß die absolute Verschuldung abbauen. Es reicht die relative Verschuldung ggü. dem GDP zu verringern. Und da eine Relation immer aus zwei Bestandteilen besteht kann man dies auf zweierlei Wege erreichen
a) Staatsausgaben senken / Einnahmen erhöhen (also sparen)
b) das GDP steigern
(Bei überschuldeten Staaten wie Griechenland muß dazu noch ein Schuldenerlaß kommen).
Kritiker werden einwenden, daß man mit staatlichen Sparmaßnahmen zunächst auch das GDP senkt; allerdings können durch staatliche Sparmaßnahmen auch Lohnstückkosten gesenkt werden, wenn durch Leistungssenkungen Beiträge in die SV niedriger ausfallen. Das wiederum führt zu einer höheren Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich, was auf mitetlfristige Sicht das GDP erhöht.
Der im Euroraum bisher beschrittene Weg ist also kurz- bis mittelfristig schmerzhaft, langfristig aber erfolgsversprechender. Ich rechne damit, daß wir die Talsohle im Euroraum in ein bis zwei Jahren erreicht haben; von da an wird es aber hier wieder bergauf gehen. Den Angelsachsen droht dasselbe Schicksal wie den Japanern, die nun seit 20 Jahren auf der falschen Fährte unterwegs sind.
sondern ihre Flöhe. Ich bin dann mal neugierig, wie die PFIIGS ohne butterweichen EURO noch Defizite abbauen oder Zinsen bedienen wollen, es sei denn, Deutschland wird der Gral eines Staatenfinanzausgleichs.
08.11.2011, 13:35 Schriftgröße: AAA
Immobilienfinanzierer Aareal Bank schmeißt Italien-Bonds aus dem Portfolio
Das Institut hat die schlechten Zeiten hinter sich gelassen und sichert seinen Aufwärtstrend strategisch ab. Die Bank kehrt Berlusconi-Land den Rücken zu - unter Verweis auf die politisch instabile Lage.
Weil: Wenn viele schmeißen, dann steigt die Umlaufrendite...
Indem man die Kapitalflucht als "Angriff" einer kleinen, anonymen Clique Spekulanten schönredet versperrt man die Sicht auf das eigentliche Problem. Deshalb kommen die Politiker auch nicht vorwärts und machen einen Gipfel nach dem anderen mit kontraproduktivem Ergebnis (sie sind Opfer ihrer eigenen Propaganda).
Doch in Wahrheit waren die Bedingungen eine Ohrfeige für den Fonds. Investoren boten nur wenig mehr als die angepeilte Summe von drei Mrd. Euro. Zudem musste der Fonds ihnen 3,6 Prozent Zinsen bieten, so viel wie nie zuvor. Der Rettungsfonds muss damit 1,77 Prozentpunkte mehr Zinsen zahlen als der Bund für über zehn Jahre laufende Staatspapiere. Die Zinsdifferenz ist gegenüber der letzten Auktion deutlich gestiegen.
Für den Fonds selbst könnte es künftig immer schwerer werden, am Markt frisches Geld einzusammeln: "Keiner will in ein Geschäftsmodell mit 17 Geschäftsführern investieren, das obendrauf noch alle drei Monate seine Geschäftsordnung ändert", sagt ein Händler.
Es sei denn nach Griechenland folgen noch paar Länder,ich als EU Gegner gebe die Hoffnung ja nicht auf.
Als Österreich der EU beitrat, durfte ich das selbst miterleben, wieviel Aufwand das erspart hat. Ein Unterschied wie Tag und Nacht!
Nationale Eigenbrödelei und Kleinstaaterei braucht kein Mensch...
Ob der Euro unbedingt so viele Länder umfassen muss, darüber kann man diskutieren. Über die EU nicht, es sei denn, man hat keine Ahnung, welche Hemnisse sowas mit sich bringt.
Es läuft alles auf hohe Inflation hinaus, die dann im Laufe der Zeit den Unmut der Deutschen wecken wird, was wiederum die Forderung nach einer eigenen deutschen Währung in immer größeren Teilen der deutschen Bevölkerung salonfähig machen wird, bis es politisch nicht mehr zu umgehen ist. Habe lustigerweise schon im Frühjahr 2010 einen Artikel (den ich leider nicht mehr finde) gelesen, indem ein deutscher Export-Lobbyist (der natürlich pro Euro war, aber trotzdem ehrlich zu sich selbst) diese Entwicklung vorhergesehen hat. Aus meiner Sicht ist dieses Szenario absolut realistisch. Nur den Zeitrahmen kenne ich noch nicht (in der Euro-Schulden-Krise geht erfahrungsgemäß alles schneller als man vorher denkt).
Hahahahahaha