Rauchen für eine höhere Rente
Seite 1 von 1 Neuester Beitrag: 16.01.13 13:28 | ||||
Eröffnet am: | 09.08.09 09:37 | von: Terrorschwe. | Anzahl Beiträge: | 5 |
Neuester Beitrag: | 16.01.13 13:28 | von: Alfred1982 | Leser gesamt: | 1.134 |
Forum: | Talk | Leser heute: | 1 | |
Bewertet mit: | ||||
Von Karen Schmidt
Kettenraucher, Übergewichtige, Herzkranke - wer nicht mehr lange lebt, kann mehr Rente bekommen. Einige Versicherer bieten jetzt Policen an, die eine geringere Lebenserwartung in bares Geld umwandeln.
Hamburg - Raucher werden in der Regel nicht alt. Das ist bekannt. Doch neuerdings kann sich Rauchen auch bezahlt machen. Denn es gibt Policen, die Versicherten mit einer geringeren Lebenserwartung eine höhere Rente zahlen.
Die Idee kommt ursprünglich aus Großbritannien, jetzt drängen mehrere Anbieter auch auf den deutschen Markt: Etwa der liechtensteinische Lebensversicherer Quantum Leben mit seiner sofort beginnenden Rentenversicherung "Individualpolice". Wer sie über den deutschen Vertriebsarm Alternative Investments Deutschland (AID) abschließt, kann als starker Raucher - was einen Zigarettenkonsum von mehr als 15 Zigaretten am Tag voraussetzt - oder schwer Übergewichtiger bis zu doppelt so viel Rente bekommen wie gesunde Versicherte. Frei nach dem Motto: Je näher die Bahre, desto höher das Bare.
In England sind derartige "Non-Standard Annuities" (frei übersetzt sind das Rentenversicherungen, die sich nicht an den klassischen Versicherten richten) seit Anfang der 90er Jahre gang und gäbe. Hierzulande sind sie noch ein exotisches Nischenprodukt. Ausschlaggebend für die Rentenberechnung der Quantum Leben ist, was der Hausarzt diagnostiziert.
"Auf Basis seines Berichts wird das verbindliche Angebot erstellt", so AID-Geschäftsführer Rüdiger Vogel. Um Betrugsfälle auszuschließen, kann die Versicherungsgesellschaft zudem bestimmte Tests verlangen. So zeigt ein Cotinin-Test zum Beispiel an, ob und wie stark jemand raucht - Cotinin ist ein Stoff, den der Körper bei Nikotinkonsum bildet.
Die Krankheit bestimmt die Rente
Solche Genussmittel-Tests braucht es bei der Extra-Rente der Lebensversicherung von 1871 (LV 1871) nicht. Denn die höhere Rente gibt es bei diesem Anbieter nicht bei einem ungesunden Lebensstil, sondern nur bei schwerer Krankheit. Drei Monate vor Rentenbeginn koordiniert der Versicherer auf Wunsch des Kunden einen Check des Gesundheitszustands. Ergibt die Diagnose des Arztes eine kürzere Lebenserwartung, setzt der Lebensversicherer die Rente hoch.
Wie hoch, richtet sich dabei nach der statistischen Lebenserwartung. Beispiel: Nach einem Herzinfarkt bekam ein Mann vor drei Jahren mehrere Bypässe gelegt, leidet aber weiterhin unter Brustschmerzen und Atemnot. Statistisch gesehen verkürzt sich seine Lebenserwartung dadurch um zwei bis drei Jahre.
Die Folge: Der Herzpatient bekommt von der LV 1871 aktuell statt 1000 Euro im Monat 1119 Euro, das sind fast zwölf Prozent mehr. Ein Alzheimer-Patient, bei dem die Krankheit bereits zur Pflegebedürftigkeit geführt hat, bekäme statt 1000 Euro derzeit gar 1340 Euro monatlich, also 34 Prozent mehr.
Eingeführt hat die LV 1871 das Produkt bereits 1999, allerdings zunächst mit nur mäßigem Erfolg. "Damals war die Police als sofort beginnende Rente gegen Einmalbeitrag konzipiert. Makler mussten Kunden also explizit auf ihre Krankheiten ansprechen - das war vielen Vermittlern unangenehm", sagt LV-1871-Chef Karl Panzer. Deshalb hat der Versicherer das Produkt überarbeitet und die Extra-Rente ohne Mehrbeitrag in die Basis- und Riesterrente der LV 1871 integriert.
"Falls die Kunden in 20 oder 30 Jahren krank werden, erhalten sie bei uns auf Wunsch die Extra-Rente", sagt Panzer. Gerade bei Riester- und Rürup-Policen lohne sich das, "da hier die Möglichkeit der Kapitalabfindung nur begrenzt besteht", so Panzer. "Mit einer höheren Rente können die finanziellen Belastungen der Krankheit besser gemeistert werden."
Doppelt so viel im Pflegefall
Ebenfalls in die traditionelle Produktpalette integriert ist die Pflegerentenoption der Provinzial Nordwest, des dritten Anbieters einer Non-Standard-Annuities-Police in Deutschland (siehe Tabelle). Sie greift automatisch, wenn der Versicherte vor Rentenbeginn zum Pflegefall wird.
Bei einem 65-jährigen Mann etwa verdoppelt sich die ausgezahlte Rente dann. "Die Pflegerentenoption ist kostenlos, weil sich die zusätzliche Rente durch die geringere Lebenserwartung der Pflegebedürftigen gegenfinanziert", sagt Vorstand Peter Hanus. "Damit bietet sie einen Schutz für Versicherte, die sich eine eigene Pflegefallabsicherung nicht leisten können."
Die höhere Rente gibt es ab Pflegestufe I - also dann, wenn der Versicherte mindestens einmal täglich für insgesamt 90 Minuten Hilfe braucht, etwa um sich anzuziehen oder um etwas zu essen. Vorlegen müssen Versicherte den Einstufungsbescheid der gesetzlichen Pflegeversicherung. Über das Extra-Geld können die Pflegepatienten frei verfügen.
"Die Betroffenen haben schon genug mit ihrer Situation zu tun", so Hanus. "Da wollen wir nicht vorschreiben, ob sie das Geld lieber für eine Pflege im Heim nehmen, für einen ambulanten Pflegedienst zu Hause oder für ihre Angehörigen, die sie vers *ZITATENDE*
www.spiegel.de
Es heißt bei der LV 1871 ja auch schließlich Riester Rente der dritten Generation. Dass die das damit gemeint hatten wusste ich allerdings noch nicht.